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Nicaragua: Ökologischer Landbau
Ethisch angesagt, gesetzlich vorgeschrieben: Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderungen

Reinhard Ross berichtet von seiner Arbeit im Projekt für ökologischen Landbau von CEPA in der nicaraguanischen Region Rivas

Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer

liebe Freundinnen und Freunde,

 

in meinem elften Rundbrief werde ich über die folgenden Themen schreiben:

 

Arbeit mit ökologisch wirtschaftenden Bauern in vier Dörfern des Munizips Tola

Verbessern der Futterversorgung der Pelibueyschafe

Schulgärten und Anbau von Gemüse

Eirene-Treffen auf Ometepe

Messe für Bio-Produkte in Rivas am 5. Juni

Besuch in Deutschland im September und Oktober

 

 

Arbeit mit ökologisch wirtschaftenden Bauern

in vier Dörfern des Munizips Tola

 

CEPA arbeitet im Munizip Tola mit 47 Bauern zusammen, die zumindestens einen Teil ihrer Fläche ökologisch bewirtschaften. Neben dem Verzicht auf Einsatz von chemischen Pflanzenbehandlungsmitteln und aufbereiteten Mineraldüngern spielen Maßnahmen des

Bodenschutzes eine wichtige Rolle. Um Erosion zu vermeiden, sollen quer zur Hangrichtung bzw. in Flußrichtung des Regenwassers Baum- und Strauchreihen gepflanzt werden. Die Aussaat von verschiedenen Leguminosenarten, sei es in Form von Gehölzen, wie zum Beispiel Madero Negro, Genícero oder Leucaena, oder sei es in Form von ein- oder zweijährigen Arten wie Gandul oder einigen speziellen Bohnenarten, reichern den Boden mit Nährstoffen und organischer Substanz an. Sie können den Luftstickstoff pflanzenverfügbar machen und schließen mit ihren tiefreichenden Wurzeln die Nährstoffe der tiefen Bodenschichten auf. Wenn die Überreste dieser Pflanzen verrotten, werden diese Stoffe wieder freigesetzt.

 

Wichtig ist, daß die Überreste der Pflanzen auf der Fläche belassen werden oder kompostiert werden. Leider ist noch immer die Unsitte verbreitet, Pflanzenreste vor der Aussaat zu verbrennen. Dadurch wird viel Humus und Bodenleben zerstört, was die Fruchtbarkeit des Bodens herabsetzt. Die daraus folgende Verschlechterung des Bodens läßt sich auch daran erkennen, daß er sehr schwer zu bearbeiten ist. In der Trockenzeit verhärten sie wie Beton, während sie bei Regen sehr schnell verschlämmen. Auf solchen Flächen wächst keine Kulturpflanze gut.

 

Daher ist das Abbrennen der Felder im ökologischen Landbau im allgemeinen untersagt; Ausnahmen sind nur sehr begrenzt möglich, wenn die Pflanzen mit einem hochansteckenden Pilz befallen waren, um so eine Weiterverbreitung des Krankheitserreger zu verhindern.

 

Die 47 Bauern haben ihre Flächen in den Dörfern, mit denen wir zusammenarbeiten. Bei der Betreuung haben wir von den drei landwirtschaftlichen Beratern uns so abgesprochen, daß jeder einen anderen Teil der Dörfer schwerpunktmäßig besucht. So habe ich die Betreuung der 16 Familien in den Dörfern San Ignacio, Barrio Nuevo, El Remate und El Lajal übernommen. Wir besuchen die Bauern alle vier Wochen, wobei wir uns ihre Parzellen, auf denen sie ökologisch arbeiten, ansehen. Großen Wert legen wir auf das Anpflanzen von Bäumen und dem Anlegen von Erosionsschutzhecken und -wällen.

 

Jeden Monat finden jeweils in Tola und Barrio Nuevo Versammlungen aller Familien der jeweiligen Region statt, auf denen wir über die wichtigsten Angelegenheiten des jeweiligen Monats sprechen und auch kleine Workshops machen. So haben wir bei der Versammlung im April die Herstellung von natürlichen Pflanzenbehandlungsmitteln gezeigt und auch eine einfache Möglichkeit der Bewässerung vorgeführt.

 

Wie ich schon in meinen früheren Rundbriefen geschrieben hatte, wollen wir die Aussaat von Backweizen ausprobieren. Der Backweizen ist eine Getreideart, die besser an trockene Klimaverhältnisse angepaßt ist, als Mais oder Reis. Bis jetzt wird in Nicaragua kaum Weizen angebaut. Da aber ziemlich viel Brot gegessen wird, muß so der für das Mehl benötigte Weizen importiert werden. Das verschlingt viele Devisen, während viele Kleinbauern ihre Produkte nur zu niederigen Preisen absetzen können.

 

Von dem Internationalen Mais- und Weizenzentrum CIMMYT in Mexiko, das eine Institution der FAO, der Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen ist, haben wir vier Kilogramm von Saatgut von zwei an das Klima der trockenen Tropen angepaßten Weizenlinien bekommen. Diesen wollen wir nun an verschiedenen Standorten aussäen. Wenn der Weizen sehr gut wächst, werden wir so diese Linien weiter vermehren. Eines Tages werden wir so Brot aus eigenem Weizen backen können, wobei wir dann den Weizen

zu Vollkornmehl vermahlen werden.

 

Kompliziert war es, das Saatgut durch den Zoll zu bekommen. Obwohl das Saatgut mit Papieren kam, welche die Herkunft und Gesundheit des Saatgut bescheinigten, wurde verlangt, alle diese Untersuchungen zu wiederholen. Nur so konnten wir die Einfuhrerlaubnis des Landwirtschaftsministeriums erhalten, die erforderlich ist, um den Samen durch den Zoll zu bekommen. Die ganze Prozedur, bei der ich von einer Stelle zur nächsten gehen mußte, beanspruchte mich zwei Tage und kostete uns etwa umgerechtet 30 Euro.

 

Neben dem Backweizen fördern wir auch den Anbau von Sojabohnen und Sesam. Die Sojabohnen sind sehr eiweißreich und lassen sich in der Küche sehr vielseitig verwenden. So kann man Sojamilch und Tofu herstellen, aber auch Sojasoßen und Chorizo. Der Sesam enthält ein wertvolles Oel, der Presskuchen ist reich an Protein und Vitaminen und ist auch sehr schmackhaft und kann viele Speisen anreichern.

 

 

Verbessern der Futterbasis für die Pelibuey-Schafe

 

Die kritischsten Monate in der Futterversorgung von Schafen und Rindern sind die Monate März, April und Mai, welche die trockensten Monate des Jahres sind. In dieser Zeit sind alle krautigen Futterpflanzen wie zum Beispiel Gräser vertrocknet. Die Tiere fressen zwar die trockenen Pflanzenreste, diese haben aber nur einen geringen Futterwert.

 

Die Bäume werfen normalerweise auch ihre Blätter ab. Wenn man aber sie regelmäßig (alle drei bis vier Monate) schneidet, bilden sie auch in den trockenen Monaten meist ausreichend grüne Blätter und Zweige. In einigen Dörfern ist es aber so trocken, daß auch dieses Grünfutter knapp werden kann. Hier wird es erforderlich sein, zu Beginn der Trockenzeit Futter zu konservieren, um so einen Vorrat für die Tiere zu haben.

 

Traditionell dient das Stroh von Bohnen, Mais und Sorghum als Futtervorrat für die Trockenzeit, ebenso wie die trockenen Überreste der Weidepflanzen. Diesem Futter fehlen aber die Nährstoffe, die für eine gute Milchproduktion und ein zügiges Wachstum der Jungtiere unerläßlich sind. Daher sind die meisten Schafe und Rinder in der Trockenzeit immer sehr viel magerer als in der Regenzeit. Die Milchproduktion nimmt in der Trockenzeit stark ab, wobei die Milch gerade für die Jungtiere ausreicht. Daher ist Milch in der Trockenzeit immer viel teurer als in der Regenzeit. Für die Bauern, welche die Futtersituation im Griff haben, gibt es also in der Trockenzeit gute Einnahmemöglichkeiten.

 

Die Voraussetzung für eine gute Milchleistung und Zuwachs ist es also, in den trockenen Wochen des Jahres über nährstoffreiche Futtermittel zu verfügen. Dazu müssen die jungen, nährstoffreichen Futterpflanzen verlustarm konserviert werden. Da die Futtergräser mit zunehmendem Alter schnell verholzen und so in ihrer Verdaulichkeit an Wert verlieren, kommen als Ausgangsmaterial die Zweige von den Futterbäumen in Frage.

 

Die beste Zeit für eine verlustarme Trocknung ist der Beginn der Trockenzeit, also die Monate November bis Februar. Dann ist die Luftfeuchtigkeit so weit abgesunken, daß das fertig getrocknete Heu sich im Lager nicht wieder befeuchtet und zu schimmeln beginnt. Die hohe Luftfeuchte in der Regenzeit macht eine Heubereitung während der feuchten Jahreszeit kaum möglich. In dieser Jahreszeit läßt sich das Futter eher in Form von Silage konservieren. Dieses Verfahren ist aber kapitalaufwendiger und birgt auch Risiken durch Fehlgärungen, was die Milchqualität und sogar auch die Gesundheit der Tiere beeinträchtigen kann.

 

Das getrocknete Heu muß nach der Trocknung vor den noch gelegendlich zu Beginn der Trockenzeit auftretenden Regenschauer geschützt werden. Dazu kann der Lagerraum zum Beispiel mit Stroh abgedeckt werden.

 

Wir werden jetzt in der Regenzeit die Bauern in den trockensten Dörfern über die Möglichkeiten der Heubereitung informieren. So können sie die Zeit bis zur Trockenzeit dazu nutzen, den Lagerraum für das Heu vorzubereiten. Zu Beginn der Trockenzeit wird dann den Bauern gezeigt werden, wie man die Zweige der Futterbäume am besten trocknet und lagert.

 

 

Schulgärten und Anbau von Gemüse

 

In Barrio Nuevo und San Ignacio arbeiten wir mit den Schulen zusammen, damit sie einen Schulgarten anlegen und dort verschiedene Kulturpflanzen anbauen. Zunächst haben sie ein Terrain auf dem Schulgelände eingezäunt, damit die Ansaaten vor herumlaufenden Tieren geschützt sind. Zunächst sind Leguminosenbäume wie zum Beispiel Madero Negro ausgesät worden, um so den Boden zu verbessern.

 

Die Böden in den Gärten sind noch sehr degradiert und geben nur geringe Erträge. Die Pflanzen zeigen typische Mangelerscheinungen an Nährstoffen, was an Kleinwuchs und nur hellgrünen Blättern erkennbar ist. Das ist eine Folge einer falschen Bodennutzung in der Vergangenheit, die zu einem Humusverlust führte. Daher ist der erste Schritt, den Boden wiederzubeleben. Neben der Aussaat von Leguminosenbäumen wie Madero Negro und Leucaena wird es wichtig sein, viele Leguminosen anzubauen. Das können verschiedene Bohnenarten sein, nach der Ernte wird das gesamte Stroh auf der Fläche belassen. Auch Kompost kann den Boden wiederbeleben.

 

Neben den Schulgärten zeigen wir auch den Familien, wie und welche Gemüsearten sie anbauen können. Das Hauptproblem des Gemüseanbaus sin die frei herumlaufenden Haustiere. Um in diesem Bereich das Problembewußtsein zu sensibilisieren, achten wir bei

 unseren Tierhaltungsprojekten, daß die Begünstigten ihre Tiere nicht unkontroliert herumlaufen lassen. Außerdem sprechen wir das Problem in den Versammlungen an.

 

Interessierten Familien geben wir Saatgut von verschiedenen Gemüsesorten, die weniger häufig sind. Neben Amaranth haben wir auch Samen für den Ölkürbis verteilt. Die Samen dieser Kürbissorte haben eine sehr weiche Schale, sodaß sie ohne weiteres gegessen werden können. Sie sind sehr reich an Vitaminen, Eiweiß und einem hochwertigem Öl, das sich auch abpressen läßt. Dazu kann die Ölpresse verwendet werden, mit der auch Sesamöl gewonnen wird.

 

Einige Familien säen auch verschiedene Gemüsearten an und zeigen auch Interesse an neuen Arten bzw. Sorten. Bei anderen Familien dauert es aber länger, um das Interesse zu wecken. Um so die Neugier am Gemüseanbau zu fördern, zeigen wir auch, wie man die Produkte in die Ernährung integrieren kann, ohne seine Eßgewohnheiten grundlegend zu verändern, das heißt, wir gehen von der Ernährungsgrundlage aus, die überwiegend aus Reis und Bohnen besteht, und reichern sie mit den Gemüsearten an.

 

 

Eirene Treffen auf Ometepe

 

Ende Mai fand auf der Insel Ometepe in der Finca Venecia das halbjährlich stattfindende Treffen aller Entwicklungshelfer (EH) und Freiwilligen (FW) von EIRENE in Nicaragua und Mittelamerika statt. Bei diesem Zusammenkommen hat jeder über seine Arbeit im Projekt berichtet. Dabei wurde sowohl das Projekt selbst, aber auch die Arbeit und Aufgaben des EH bzw. FW vorgestellt und über die Perspektiven der Arbeit gesprochen.

 

Neben dieses Erfahrungsaustausches haben wir auch die Insel näher kennen gelernt. Neben den Vulkanen Maderas und Concepción gibt es auf der gesamten Insel viele interessante und schöne Dinge zu sehen, wie den Charco Verde in direkter Nähe zu der Playa Venecia. Dieser große Tümpel stellt einen artenreichen Biotop dar. Dort gibt es viele Vogelarten und auch Landschildkröten.

 

 

Messe für Bio-Produkte in Rivas am 5. Juni

 

Am 5. Juni fand die zweite nicaraguanische Messe für Bio-Produkte in Rivas statt. Bei dieser Veranstaltung auf dem Gelände des Museums von Rivas kamen ökologisch wirtschaftende Bauern und Organisationen des Umweltbereiches. Außerdem gab es kulturelle Beiträge wie Kindergruppen aud Barrio Nuevo, Pablo López und Rivas, die Volkstänze vorführten und eine Gruppe, die Marimbamusik spielte.

 

Die Bauern haben verschiedene Produkte wie Mais, Avocados, Schaffleisch, Hähnchen, Eier, Wein aus Hibiskus und Coyolito etc. mitgebracht. Außerdem wurde gebratenes Pe-libueyfleisch und Hähnchen aus Freilandhaltung angeboten, ferner Erfrischungsgetränke aus Früchten und Hibiskus. Es gab auch ein kleines Preisausschreiben, bei dem zwei Körbe mit einigen Produkten der Bauern als Gewinn angeboten wurden, dabei waren fünf Fragen zum ökologischen Landbau zu beantworten.

 

Diese Messe war für die Bauern nicht nur eine Gelegenheit, ihre Produkte anzubieten, sondern sie konnten auch mit den Verbrauchern direkt in Kontakt treten. So wird auch der Bioladen in Rivas, die PERLA weiterhin bekanntgemacht.

 

Die Messe zeigte großes Interesse an den Verbrauchern an ökologisch erzeugten Produkten. So war die Nachfrage an Pelibuey-Fleisch so hoch, daß sowohl das grbratene Fleisch, das zum Verzehr angeboten wurde, als auch das rohe Fleisch sehr schnell ausverkauft war. So wird der Bio-Laden in Rivas, die PERLA, in der Zukunft mehr Pelibuey-Fleisch verkaufen. Dabei werden wir dort überwiegend Fleischstücke zum Kurzbraten und Grillen anbieten. Fleisch zum Kochen wird dagegen in Rivas weniger nachgefragt. Diese Stücke lassen sich umgekehrt auf dem Land besser verkaufen. Das liegt daran, daß man auf dem Land eher in größerem Geschirr kocht. Die Kochstücke lassen sich für Suppen verwenden. aber auch beim Kochen der Bohnen, die eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel sind.

 

 

Besuch in Deutschland im September und Oktober

 

Im September werde ich wieder für vier Wochen nach Deutschland kommen, wobei ich auch wieder über meine Arbeit berichten werde. Dabei habe ich folgenden Besuchsplan vorgesehen:

 

Freitag, 24. September Lüneburg, Umweltmesse von dem Verein TUN (Technik, Umwelt und Natur) auf den Sülzwiesen,

Samstag, 25. September Lüneburg, Umweltmesse,

Sonntag, 26. September Lüneburg, Umweltmesse,

Montag, 27. September Hitzacker und Ökodorf Sieben Linden,

Dienstag, 28. September Lübeck,

Mittwoch, 29. September Hannover,

Donnerstag, 30. September Lüneburg, Gemeindehaus St. Nicolai, 20:00 Uhr

Dienstag, 5. Oktober Eirene Geschäftsstelle in Neuwied,

Mittwoch, 6. Oktober Para Nicaragua e.V., Offenbach,

Donnerstag, 7. Oktober Rastatt,

Freitag, 8. Oktober Freising,

Samstag, 9. Oktober Dorfen,

Sonntag, 10. Oktober Fürstenzell,

 

Bei diesen Vorträgen würde ich mich sehr freuen, wenn viele Interessierte kommen würden. Für unsere Zusammenarbeit ist es sehr wichtig, daß sich weiterhin genug Förderer finden. In den vergangenen eineinhalb Jahren waren die Spenden für meine Arbeit spürbar zurückgegangen, so daß meine Zusammenarbeit gefährdet war. Nur durch Spenden, die auf dringende Aufrufe von mir eingingen, konnte ich meine Arbeit fortsetzen. Der Gedanke, daß ich plötzlich gehen müßte, löste bei den Projektpartner einen Schrecken hervor. Weil wir viele neue Vorhaben begonnen haben, die auf den bisherigen Projekten aufbauen, möchten alle Begünstigten in Nicaragua, daß ich weiterhin mit ihnen zusammenarbeite.

 

Um so erfreulicher war es, als mein Vertrag um ein weiteres halbes Jahr verlängert wurde. So läuft mein derzeitiger Vertrag am 31. Dezember dieses Jahres aus. Diese Zeit ist aber nur dann gesichert, wenn Ihre/Eure finanzielle Unterstützung weiterläuft.

 


Mehr Info: EIRENE Internationaler Christlicher Friedensdienst